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Rechtliche Grundlagen & Lizenzierung für online Casinos in Österreich

24 Juli 2025

In Österreich genießt das Glücksspiel – ob am Spieltisch oder online – einen hohen Stellenwert, ist jedoch streng reguliert. Nur jene Anbieter, die offiziell konzessioniert sind, dürfen ihr Angebot österreichischen Spieler*innen präsentieren. Für alle übrigen Plattformen herrscht rechtlich eine Grauzone, da sie weder über eine österreichische Lizenz noch über eine ausdrückliche Erlaubnis verfügen. Gleichzeitig eröffnet das EU-Recht die Möglichkeit, in anderen Mitgliedsstaaten lizenzierte Online-Casinos legal in Österreich zu nutzen. Im Folgenden erhältst du einen umfassenden Überblick über die rechtlichen Grundlagen, EU-Lizenzen sowie die wichtigsten ausländischen Konzessionen und deren Anforderungen.

Rechtliche Grundlagen & Lizenzierung in Österreich

In Österreich stellt das Glücksspielgesetz (GSpG) die zentrale rechtliche Basis dar. Es regelt die Konzessionserteilung, Auflagen zur Spieler*innen‑Schutz, Überwachung und Besteuerung von Glücksspielen aller Art durch das Bundesministerium für Finanzen.

Monopol der Casinos Austria AG und win2day

Die Casinos Austria AG hält in Österreich das Exklusivrecht für Online-Glücksspiel und betreibt seit 2008 die Plattform win2day. Diese ist die einzige konzessionierte Online-Spielplattform, auf der du Sportwetten, Lotto, Bingo, Kartenspiele, Slots und Live-Dealer-Spiele findest. Die Konzession der Casinos Austria AG läuft bis zum 31. Dezember 2027 für Spielbanken und bis 31. Dezember 2030 für Online-Angebote.

Grauzone für nicht-konzessionierte Anbieter

Alle anderen Online-Casinos ohne österreichische Konzession bewegen sich rechtlich in einer Grauzone. Sie verzichten meist auf den Aufwand einer lokalen Lizenz und behaupten, über EU‑Lizenzierungen genügend Rechtssicherheit zu bieten. Aus Sicht österreichischer Behörden ist dieses Modell jedoch nicht offiziell anerkannt, weshalb Betreiber und Nutzer in einer rechtlichen Unschärfe agieren.

EU-Recht & Ausländische Lizenzen

Dank der Grundfreiheiten des EU-Binnenmarkts dürfen Anbieter mit einer gültigen Lizenz eines anderen EU‑Staats ihre Dienste grundsätzlich grenzüberschreitend anbieten. Das bedeutet: Wenn du bei einem EU‑lizenzieren Anbieter spielst, kann dich die österreichische Justiz nicht strafrechtlich belangen, auch wenn dieser Anbieter in Österreich nicht formal konzessioniert ist.

EuGH‑Urteile zur Grenzüberschreitung

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat in mehreren Verfahren (z. B. C‑46/08, C‑49/08 und C‑347/09) entschieden, dass nationale Monopole nicht ohne Weiteres den freien Dienstleistungsverkehr beschränken dürfen. Österreich durfte sein Monopol zwar zum Schutz vor Spielsucht aufrechterhalten, musste aber sicherstellen, dass die Maßnahmen verhältnismäßig sind und EU‑Recht nicht unverhältnismäßig einschränken

Die Wettlizenzen im Überblick

MGA‑Lizenz (Malta Gaming Authority)

Die Malta Gaming Authority (MGA) zählt zu den renommiertesten Glücksspiel‑Regulatoren in Europa. Sie erteilt seit 2001 Lizenzen für Online-Casinos, Sportwetten und andere Glücksspiele.

  • Spielerschutz & Prävention: Die MGA legt großen Wert auf Responsible Gaming, verlangt u. a. Limits, Selbstausschluss‑Tools und überprüft Alter und Identität der Spieler.

  • Fairness & RNG‑Audits: Lizenznehmer müssen unabhängige Prüfungen (RNG‑Zertifikate, Auszahlungstests) vorweisen und jährliche Audits einreichen, um Transparenz und Fairness zu gewährleisten.

  • Richtlinien & Durchsetzung: Bei Verstößen kann die MGA Strafen verhängen, Lizenzen suspendieren oder entziehen. Die jüngste Änderung von Directive 5 (2018) stärkte Compliance‑Auflagen für Werbung und Affiliate‑Marketing.

Gibraltar‑Lizenz

Die Gibraltar Gambling Commission (GGC) ist eine der ältesten Regulierungsbehörden für Online-Glücksspiel (seit 1998). Gibraltar bietet:

  • Steuerliche Vorteile: Betreiber zahlen 10 % Körperschaftsteuer und 0,15 % Gaming Duty auf die ersten £ 100.000 Gewinn pro Jahr – ein attraktives Modell für große Marken.

  • Strenge Regulierungsstandards: Trotz günstiger Steuersätze gelten hohe Anforderungen an Spielerschutz, KYC und Anti‑Money Laundering (AML). Werbung und Affiliate‑Marketing unterliegen klaren Regeln.

  • Reputation: Viele globale Anbieter (z. B. Bet365, William Hill) sind hier ansässig, was Gibraltar-Lizenzen weltweit anerkannt und vertrauenswürdig macht.

UK‑Lizenz (UK Gambling Commission)

Die UKGC regelt das umfangreiche britische Glücksspielmarkt, sowohl landbasiert als auch online, seit dem Gambling Act 2005.

  • Lizenzarten:

    • Operating Licence für Betreiben von Glücksspielen

    • Personal Management Licence für Schlüsselpersonen

    • Premises Licence für landbasierte Einrichtungen.

  • Anforderungen: Detaillierte Unterlagen zu Unternehmensstruktur, finanziellem Background, Anti‑Geldwäsche‑Konzepte, Spielerschutz-Mechanismen und technische Prüfberichte sind Pflicht.

  • Durchlaufzeit: Ca. 16 Wochen bei vollständigen Anträgen. Danach erfolgen regelmäßige Audits und Compliance‑Kontrollen.

Dänemark‑Lizenz (Spillemyndigheden)

Die dänische Glücksspielbehörde Spillemyndigheden vergibt seit der Marktliberalisierung 2012 Lizenzen für Online-Casino und Sportwetten:

  • Lizenztypen:

    • Online Casino (5 Jahre)

    • Online Betting (5 Jahre)

    • Revenue‑restricted Licenses (1 Jahr, Umsatz ≤ DKK 1 Mio.).

  • Zertifizierungsprogramm: Lizenzpflichtige müssen technische Prüfungen und Inspektionen nach dem Spillemyndigheden Certification Programme absolvieren – ISO/IEC 27001, Penetration Tests, Protokollierung & Änderungsmanagement gehören dazu.

  • Spielerschutz & Werberichtlinien: Strenge Vorgaben für Werbung, Bonusangebote und Responsible Gaming, u. a. Limits, Selbstausschluss und Drittanbietersperren.

Curacao eGaming‑Lizenz

Curacao eGaming (unter dem NOOGH) ist bekannt für schnelle und kostengünstige Lizenzvergabe:

  • Antragsprozess: Dokumentation zur Geschäftsstruktur, Gesellschafter‑ und Direktorendaten, KYC/AML‑Nachweise; Dauer 4–6 Wochen.

  • Kosten: Deutlich niedriger als in Europa (ab wenigen Tausend USD pro Jahr), keine lokalen Betriebsstätten erforderlich.

  • Auflagen: Weniger strenge Spielerschutzvorgaben, oft kein unabhängiges Audit; Kritik wegen mangelnder Transparenz und schwächerer Compliance.

Anjouan (Komoren)‑Lizenz

Anjouan Gaming Licensing Services Inc. vergibt Offshore-Lizenzen auf der Komoreninsel Anjouan:

  • Geschwindigkeit: 2–4 Wochen bis zur Erteilung, sehr geringer bürokratischer Aufwand.

  • Kosten: Vergleichbar niedrig mit Pauschalgebühren für Prüfung, Lizenz und jährliche Verlängerung.

  • Rechtliche Anerkennung: Weniger renommiert in Europa; Anbieter nutzen diese Lizenz für internationale Märkte, allerdings mit erhöhtem Risiko hinsichtlich Zahlungsabwicklung und Spieler‑Vertrauen.

Spielerschutz & technische Anforderungen

Moderne Lizenzgeber fordern umfangreiche Maßnahmen zum Schutz der Spieler*innen:

  • Limits & Selbstausschluss: Einzahlungslimits, Verlustlimits, Sperrmechanismen $\rightarrow$ Self‑Exclusion-Tools.

  • KYC & AML: Identitätsprüfung vor Auszahlungen, Transaktionsüberwachung, Verdachtsmeldungen bei Geldwäsche.

  • RNG & Fairness: Unabhängige Prüfungen und Testberichte zur Gewährleistung zufälliger Ergebnisse.

  • Datenschutz & Sicherheit: ISO/IEC 27001, Penetration Tests, Verschlüsselung aller Datenströme

Steuerliche Aspekte für Spieler in Österreich

Glücksspielgewinne sind in Österreich grundsätzlich steuerfrei, sofern sie nicht den Rahmen von gewerblicher Tätigkeit sprengen. Das gilt für Lizenzen aus Österreich und aus anderen EU‑Staaten (z. B. MGA oder Curacao) gleichermaßen. Lediglich Betreiber unterliegen der Glücksspielabgabe – für dich als Spieler bleibt der Gewinn unbesteuert.

Fazit & Ausblick

Österreich bietet mit win2day eine heimische, hochregulierte Plattform für Online‑Glücksspiel. Nicht‑konzessionierte Anbieter bewegen sich rechtlich in einer Grauzone, doch das EU‑Recht erlaubt das Spielen bei ausländischen, EU‑lizenzieren Casinos ohne Strafverfolgung.

Die Wahl der passenden Lizenzjurisdiktion hängt für Betreiber vor allem von Kosten, Regulierungsniveau und Reputation ab. Für dich als Spieler*in sind Zugänglichkeit, Fairness und Spielerschutz entscheidend. Achte auf Lizenzen wie MGA, UKGC oder Spillemyndigheden von Dänemark, um maximale Sicherheit zu genießen. Curacao und Anjouan locken mit günstigen Konditionen, bergen jedoch erhöhte Risiken.

Mit dem Blick auf anstehende Reformen in Österreich (z. B. geplante Erhöhung der Glücksspielabgabe) und aktuelle EuGH-Verfahren bleibt das Thema Lizenzierung dynamisch. Halte dich über Gesetzesänderungen auf dem Laufenden, um stets legal und sicher zu spielen.